Malerei | 2020

Neo Pop - painted temporary memes

Schneewittchen ist unter dir, Jimmy. Like?, 2020, 30 x 30 cm, Acryl auf Leinwand

Schöne Männer und Avocados, 2020, 180 x 150 cm, Acryl auf Leinwand

Double Dylan, 2020, 30 x 30 cm, Acryl auf Leinwand

Chaplin, 2020, 70 x 50 cm, Acryl auf Leinwand

Ninja Cat, 160 x 140 cm, Schwarzlichtfarbe auf Leinwand

#memories, 180 x 160 cm, Acryl auf Leinwand

Naruto wollte, dass ich ihn male, 2020, 40 x 30 cm, Acryl auf Leinwand

Keiner da, 2020, 40 x 30 cm, Acryl auf Leinwand

Narathon (Unendlich), 2020, 40 x 30 cm, Acryl auf Leinwand

S, 2020,40 x 30 cm, Acryl auf Leinwand

Klare Luft, 2020, 70 x 50 cm, Acryl auf Leinwand

Dilemma/ #nicedayhardwork, 30 x 30 cm, Acryl auf Leinwand

Atelierwand

Neo- Pop



Helikopterflug

Seit der Blütephase der Popart in den 1960er Jahren wurden alltägliche Dinge wie Comics, Sex und Revolver sozusagen per Lift in den Elfenbeinturm der Kunst empor getragen. Die „masspopularart“, wie es der Kunstkritiker und Kurator Lawrence Reginald Allowayauch bezeichnet, bedient sich der Bilder und Zeichen seiner Zeit und reflektiert somit die gesellschaftliche Entwicklung. Seit damals ging aus unserer kulturellen, kommerziellen und individuellen Geschichte weiterhin eine unermessliche Anzahl an Bildtypen hervor, die alle einen Ursprung und Bedeutungszusammenhang haben, die wir allerdings kaum noch zu überblicken vermögen.

Nicht selten verknüpfen wir Erinnerungen an Personen oder Ereignisse, die bleibende Spuren bei uns hinterlassen haben und die einen festen Platz in unserem kollektiven oder individuellen Gedächtnis bilden. In gewissen Zeitzyklen poppen solche Figuren und Geschichten der Vergangenheit erneut auf. Sie lösen beim Erstbetrachter häufig völlig andere Assoziationen aus im Vergleich zu jenen Menschen, die schon über die gleiche oder eine ähnliche Bilderinnerung verfügen. Unser Gedächtnis speichert schließlich Bedeutungen, die die Dinge für uns haben und bildet so unsere Identität. 

Allerdings ist völlig unklar, welche Erinnerungen im Konglomerat unserer 100 Milliarden Nervenzellen hängenbleiben. Wir können das kaum kontrollieren noch können wir mit Absicht Dinge vergessen. Richard David Prechtschreibt von einer „anonymen Macht des Erinnerns“. Und er fragt sich, ob wir wirklich das Subjekt des Erinnerns oder vielmehr das Objekt der Erinnerung sind.

In geradezu kindlicher Begeisterung hole ich Bilddokumente unserer Zeit aus der Schublade des Erinnerns und kombiniere sie in neuen Bedeutungszusammenhängen. Dabei verschränke ich private  und medial öffentlich zugängliche Bedeutungsträger, mische individuelle und kollektive Mythen. Vielleicht ein Versuch, der anonymen Macht Herr zu werden?

Neurologen konnten aufzeigen, dass all unsere Erfahrungen Spuren im Gehirn hinterlassen, diese allerdings auch die Chance der plastischen Veränderbarkeit in sich tragen. Mit jeder neuen Erfahrung spuren wir neue Wege im Gewimmel unserer Synapsen. 

Meine aktuelle  künstlerische Arbeit ist dem Reiz dieser Veränderbarkeit und der Verführung, Spurensetzungen neu zu gestalten, verfallen. Die collagenhaft komponierten Repräsentationen von Figuren und Zeichen, die individuelle und kollektive Assoziationsräume öffnen und die ich  auf dem Helikopterrundflug über dem Bilderpool unserer Erinnerungen erspähe, bilden die Bausteine meiner Malerei und werden zum Werkzeug neuer Bedeutungsspuren. 

Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei Charaktere japanischer Animes ein. Die comichaft vereinfachten Figuren verbergen besondere Fähigkeiten. Kenner der Szene wissen mitunter den kompletten Stammbaum einzelner Akteure. Die Figuren sind Platzhalter für phantastische Geschichten und werden zu Vermittlern zwischen meinen Bildmotiven, wie zum Beispiel zwischen Charly Chaplin und meinem Sohn Karl. Für mich haben sie auch das Potenzial Zeiten zu überbrücken, Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden.

Die Pop Art war der Wegbereiter zu einer neuen Wertschätzung der Bildmotive unserer Populärkultur. Ich greife ihre Ideen auf und transformiere sie in Bilder meiner Zeit, meiner Kultur, meines Lebens.

 

 

Barbara Flatten

München, 10.10.2020